Arch. Werner Tscholl , 1955 in Latsch geboren, Studium in Florenz. Neue Architektur ist sein Thema; "geometrische Urkraft" entspringt aus seinen schnörkellosen Entwürfen und bildet moderne Kultur. Seine Bauten können auch als bewohnbare Skulpturen bezeichnet werden. Einige seiner vorbildlichen Sanierungen: Fürstenburg, Schlandersburg und Schlandersberg, seinen eigenen Wehrturm "Reichenberg", Reinhold Messners Bergmuseum auf Schloß Siegmundskron (in Planung).

Die archaische Form des Rundturms und seine eigene konsequente Formdisziplin und -logik hat der Architekt mit der einen oder anderen pfiffigen Idee gepaart. Das beginnt mit dem Gag der hochmodernen, elektronisch gesteuerten Zugbrücke aus Stahl, die sich als sehr praktisch erweist, weil der hochgezogene Steg die Haustür für ungebetene Gäste unerreichbar macht.
Der etwa 22 m hohe Zylinder des Bergfrieds steht hart am Hang, zur Bergseite zeigt er eine massive Bruchsteinwand, nur von einigen Fenstern durchbrochen, die sich wie Schießscharten präsentieren. Zum Tal hin öffnet sich das Bauwerk in voller Höhe. Die zurückgesetzte Hauswand ist hier aus Glas. Die Freiflächen davor bilden ein ganzes Netzwerk aus Terrassen, Balkonen und Ausgucken, die grandiose Eindrücke von der Naturschönheit der gesamten Umgebung vermitteln.
Die Raumaufteilung reagiert geschickt auf den exponierten Ort. Selbst im Hochwinter, wenn im Tal schon Abend ist, liegt der Turm noch im hellen Licht. So wird es möglich, dass gerade bei tiefstehender Wintersonne auch die hinten am Berg liegenden Zimmer ihr verdientes Licht abbekommen.
Neu und ungewöhnlich für einen Bergfried ist, dass er aus einem Doppelzylinder besteht: in der Mitte der Rotunde wurde eine Glastonne mit Glasdach gestellt. Dadurch wird der spannende Kontrast im Wechsel von Offen- und Geschlossenheit der Außenwand nochmals unterstrichen. Der Turm schützt seine Bewohner, aber lässt sie auch im Inneren an der gigantischen Alpenkulisse teilnehmen. Dieses "Sowohl als auch" ist das eigentlich Einzigartige und Moderne in diesem Haus.